Diätologie mit Empathie und detektivischem Gespür für Ernährung bei Essstörungen

Barbara Stögmüller_KUK_Arbeit_porträt

Als Diätologin am Neuromed Campus begleitet Barbara Stögmüller Patientinnen und Patienten mit Essstörungen über Wochen, Monate oder sogar Jahre hinweg. Dabei verbindet sie fachliches Know-how mit Empathie und einem ausgeprägten detektivischen Gespür für Ernährung. Im interdisziplinären Team der Psychosomatik arbeitet sie daran, gemeinsam mit den Patientinnen und Patienten einen gesunden Umgang mit Essen zu entwickeln.

Was hat Sie dazu bewogen, diese Tätigkeit auszuüben?

„Im Bereich der Ernährung gibt es so viele Mythen – da ist es fast wie detektivische Arbeit, Glaubenssätze zu hinterfragen und aufzulösen. Besonders bei Patientinnen und Patienten mit Essstörungen, die oft ein enormes Ernährungswissen haben, ist das eine spannende Herausforderung. Es geht darum, sie dabei zu unterstützen, dieses Wissen nicht auf eine selbstschädigende Art und Weise einzusetzen und einen gesunden Umgang mit Essen zu fördern.“

In der Psychosomatik ist Interdisziplinarität unerlässlich, damit Patientinnen und Patienten Veränderungen zulassen können. Barbara Stögmüller profitiert vom Austausch mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen Disziplinen, denn so erhält sie wertvolle Einblicke in die psychosoziale Situation ihrer Patientinnen und Patienten. Das wiederum ermöglicht es ihr, gemeinsam realistische Veränderungen in der Ernährung zu planen.

Mit Social Media als alternativer Informationsquelle zu konkurrieren, ist oft aufgrund der vermeintlich wissenschaftlich verpackten Inhalte nicht einfach. Umso mehr erfordert es laufende Auseinandersetzung mit den neuesten Trends, die ihr eigenes Wissen stetig erweitert und die therapeutische Arbeit stärkt.

Neben der guten Zusammenarbeit im Team und der stetigen Wissenserweiterung bereiten Barbara Stögmüller auch Therapieerfolge besondere Freude.

Was bereitet Ihrem an Ihrem Beruf besonders große Freude?

„Besonders schön ist es, wenn Essen wieder als sozialer oder kultureller Aspekt wahrgenommen wird und Patientinnen und Patienten ehrlich freudig davon berichten. Diese Therapieerfolge berühren mich sehr. Da freue ich mich natürlich gerne mit ihnen mit.“

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag im Kepler Universitätsklinikum aus?

„Mein Tagesablauf ist sehr abwechslungsreich – von Einzelberatungen mit Jugendlichen und Erwachsenen sowie deren Angehörigen über Gruppenangebote in der Tagesklinik bis hin zu Essbegleitungen. Ich arbeite mit Patientinnen und Patienten mit Anorexie, Bulimie, Binge-Eating-Disorder, Night-Eating-Disorder und anderen Essstörungen, aber auch mit Reizdarm-Patientinnen und -Patienten oder Menschen mit ‚versteckten‘ Essstörungen. Dabei ist viel Klarheit gefragt, besonders bei stationären Patientinnen und Patienten, um die Ernährung nicht von der Essstörung bestimmen zu lassen. Die Zusammenarbeit mit der Küche, Pflege, Medizin und Psychologie ist dabei essenziell und läuft bei uns sehr gut."

Was machen Sie nach einem fordernden Arbeitstag zum Ausgleich?

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„Ich bin gerne draußen – ob am Berg, am Wasser oder auf dem Tennisplatz. Manchmal reicht aber auch einfach gute Gesellschaft oder eine Tageszeitung, um den Tag ausklingen zu lassen."
Das Multidisziplinäre Versorgungszentrum (MVZ) des Kepler Universitätsklinikums bietet Betroffenen mit Essstörungen sowie deren Angehörigen niederschwellige und kostenfreie Hilfe – ganz ohne ärztliche Zuweisung. Im MVZ arbeiten Diätologinnen und Diätologen, Psychologinnen und Psychologen, Ärztinnen und Ärzte sowie Therapeutinnen und Therapeuten Hand in Hand, um individuelle Therapie­konzepte zu entwickeln. Weiterführende Informationen zum MVZ finden Sie auf der 

Website des Departments für Psychosomatik

Ein interessanter Fakt aus Ihrem Berufsalltag?

„In der Arbeit mit Essstörungs-Patientinnen und -Patienten kommt es oft vor, dass sie in Teilbereichen mehr Wissen haben als ich, besonders bei genauen Kalorienangaben. In dieser Therapie – anders als in anderen Bereichen der Diätologie – geht es aber weniger um Zahlen und Fakten rund um das Essen, als um Hunger, Sättigung und Ängste vor bestimmten Lebensmitteln. Als Diätologin im Essstörungsbereich habe ich das Glück, dass viele Patientinnen und Patienten gerne und zuverlässig zur Ernährungsberatung kommen, weil sie auch gerne über das Thema ‚Essen‘ sprechen. Gleichzeitig ist es ein gutes Zeichen, wenn Patientinnen und Patienten beginnen, sich weniger für Ernährung zu interessieren – meistens wird dann Veränderung möglich.“

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